Standort: Krügerbrücke / Kuhbrücke (Rurufer, rechtsseitig), Düren
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Künstler: Käthe Fuss ( Ehefrau des Opfers)
Kulturpartner:  

Gedenkkreuz an der Rur für Hubert Fuss und 7 Kinder!

Die Kilometer langen beschaulichen Rurauen im Stadtgebiet von Düren laden zum Wandern, Radfahren und ausgedehnten Spaziergängen mit und ohne Hund ein. Vom Stadtgebiet kommend in Richtung Lendersdorf, also Fluss aufwärts, gelangt man irgendwann an eine Fußgängerbrücke, die ehemalige Kuhbrücke, die den südlichen Stadtbereich Dürens in Höhe Burgau mit der Bolsdorfer Siedlung linksrurig verbindet. Nach etwa 100 m auf der rechten Rurseite weiter Flussaufwärts gehend, entdeckt man am Wegesrand ein schwarzes eisernes Kreuz auf einem behauenen Blaustein. Da es sich indirekt um kriegsbedingte Tote Personen handelte, wurde auf Veranlassung der Auftraggeberin in den Gedenkstein vor dem Text das Eiserne Kreuz eingemeißelt. Dahinter steht schließlich folgendes zu lesen:„15.09.1945 HUBERT FUSS UND 7 SPIELENDE KINDER GESTIFTET VON FRAU KÄTHE FUSS DÜREN U. SOHN BAURAT DIPL. ING. IN LÜBECK“. Die Gedenkinschrift lässt zunächst den Schluss zu, dass an dieser beschaulichen Stelle an der Rur insgesamt 8 vorwiegend junge Menschen bei einem einzigen schrecklichen Unfall am 15. September 1945 ihr Leben verloren.

Kulturpartner Gedenkkreuz an der Rur:

Journalistische Recherche deckt die wahre Geschichte auf

Unsere Nachforschungen haben jetzt jedoch ergeben, dass es sich hierbei um zwei voneinander unabhängige Unfälle an dieser Stelle der Rur in den ersten zehn Monaten nach dem Krieg handelt. Düren lag noch in Schutt und Asche und die Wege und Straßen waren lange nicht von Munition gesäubert. Die Gefahr, die von herumliegenden schnell zu übersehenden Minen im Erdreich ausging, war groß, denn Blindgänger lauerten an vielen Stellen. Mit der Rückkehr der Menschen in ihre Stadt erhöhte sich auch die Gefahr von derartigen Explosionen. Am 15. September ist hier, wo sich heute das Gedenkkreuz befindet, der 60-jährige Postbedienstete Hubert Fuss (Peter ist als Vorname im Sterbebuch Düren angegeben) das Opfer einer im Boden liegenden Mine geworden. Er war nach deren Explosion auf der Stelle tot. Seine Frau Katharina Fuss stiftete später das dort befindliche Kreuz mit der etwas irritierenden Gedenkschrift. Sie wollte damit gleichzeitig an ein weiteres unvorstellbares Ereignis der Nachkriegszeit erinnern. Eines der schrecklichsten Minenunglücke dieser Art ereignete sich nämlich fast ein Jahr nach Kriegsende an genau der gleichen Stelle der Rur. Die besonderen Umstände dieses tragischen Ereignisses bleiben sicher im Unklaren. Am Sonntag 31. März gegen 11.30 Uhr befinden sich mindestens sieben Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren an der Rur. Sie spielen dort auf den Wiesen und am Ufer der Rur, obwohl gerade diese Bereiche während des Krieges stark umkämpft und entsprechend vermint waren. Aber was kann Kinder, vor allem in den Nachkriegswirren, schon davon abhalten, an einem frühlingshaften Sonntag im März an der Rur zu spielen. Auch die Mahnungen der Eltern helfen da nicht wirklich. Es wird sich also um eine im Boden versteckte Bombe oder Mine gehandelt haben. Vielleicht haben die größeren Jungen eine Bombe, bzw. Mine gefunden und aus kindlicher Neugier und einem gewissen Abenteuertrieb heraus dann auch ausgegraben. Alle anderen schauten bestimmt neugierig zu. Vielleicht war es so? Alles Spekulation. Jedenfalls erschütterte eine enorme Detonation die Ruraue und sieben Kinder aus dem Stadtteil Lendersdorf, darunter ein Geschwisterpaar, waren auf der Stelle tot. Die Aachener Nachrichten berichteten darüber am 5. April 1946 mit einer kurzen Meldung.

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Die Namen der getöteten 7 Kinder:

die Geschwister Michael Josef Ziegler, geb. 4.10.1934 und
Antonius Günter Ziegler, geb. 27.05.1938, das jüngste Opfer;
Otto Steiger, geb. 6.01.1935;
Walter Martin Laufenberg, geb. 29.07.1935;
Hubert Jakob Faßbender, geb. 13.01.1938;
Joseph Reinartz, geb. 16.06.1936 und
Joseph Schnitzler, geb. 4.08.1933.

Derartige Todesfälle waren seit der Rückkehr der Bewohner Dürens fast an der Tagesordnung, sind aber heute fast in Vergessenheit geraten. Stellvertretend für weit über 90 Minentote und unzählige Verletzte bis Mitte 1946 in Düren sei hier noch an drei Kinder erinnert, die am 26. September 1945 um 09.30 Uhr in der „Alte Jülicher Straße“ von einer Mine zerrissen worden sind: der fünfjährige Karl Josef Rütt, geb. 28.08.1940, sein Bruder Nikolaus Rütt, geb. 13.09.34 und der Nachbarjunge Paul Hoheiser, geb. 14.11.1934.

Das Gedenkkreuz an der Rur sollte in Andenken an die sieben Jungen mit einer korrekten Wiedergabe der Geschehnisse und einer zusätzlichen Erinnerungstafel versehen werden.
Anregung des Autors
 
Quelle: 
Sterbebücher des Standesamt Düren, Aachener Nachrichten
Danke an die Mitarbeiter des Dürener Stadtarchivs, die mich bei der Recherche unterstütuzt haben.

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