Standort: Markt  /  Düren
 erstellt:  1957
 Künstler:  Günter Haese – Kinetiker
 Kulturpartner:

Denkmalplatz für die Mutter Gottes

Versteckt zwischen den Marktbeschickern, die dreimal in der Woche den Marktplatz beleben, steht in einer kleinen erhabenen Blumeninsel die sehr unscheinbare Mariensäule. Dürener dürften diese Mariensäule kennen. Aber selbst, wenn die Verkaufsstände an den übrigen Wochentagen nicht den Blick verstellen, dann fällt dieses Denkmal der heiligen Maria nicht sonderlich auf und ist vor allem für ortsfremde Besucher schnell zu übersehen. Dieses Mariendenkmal, das am 11. Oktober 1957 hier vom Aachener Bischof Pohlschneider enthüllt wurde, ist die moderne Version einer Mariensäule, die exakt 100 Jahre vorher am 11. Oktober 1857 auf dem Marktplatz eingeweiht wurde. Doch den Zweiten Weltkrieg überlebte die heilige Maria wie viele andere Denkmäler nur bis zum 16. November 1944. Der Säule gegenüber stand vor dem Krieg das alte Rathaus, heute das Bürger-Service-Center, und über den sehr belebten Markt fuhr damals die Straßenbahn. Auf alten Postkarten ist diese Mariensäule in dem bunten Stadttreiben sehr gut präsentiert. Die neue Mariensäule hingegen besticht durch ihre Schlichtheit und große Zurückhaltung.

Kulturpartner Mariensäule in Düren:

Bildhauer + Meisterschüler Günter Haese

Den Auftrag für diese Mariensäule erhält der damals junge Künstler und soeben zum Meisterschüler von Ewald Mataré an der Düsseldorfer Kunstakademie ernannte Bildhauer Günter Haese. Einer der Mitschüler Haeses in der Klasse von Ewald Mataré ist der junge Joseph Beuys. Auf Empfehlung seines Lehrmeisters erhält Günter Haese den Auftrag, eine Mariensäule zu entwerfen. Diese Mariensäule in Düren von 1957 ist damit eine der ersten Einzelwerke für den öffentlichen Raum eines Künstlers, der soeben zum Meisterschüler ernannt worden war. Und diese künstlerische Umsetzung der sehr zurückhaltenden, demütigen und dennoch liebevollen Maria ist mit Blick auf seine spätere Entwicklung etwas ganz Besonderes. Denn Günter Haese drängt es, Neues zu entdecken, auszuprobieren. Er wird schließlich einer der weltweit bedeutendsten Künstler für kinetische Kunst. Zunächst arbeitete Haese allerdings noch einige Zeit bei und mit seinem Lehrmeister Ewald Mataré und war unter anderem an den Arbeiten des Südportals für den Kölner Dom beteiligt.

Wandern Sie hier von Denkmalplatz zu Denkmalplatz in Düren

 

Der Kinetiker im Museum of Modern Art New York

Anfang der 60er Jahre ging der Künstler endlich eigene Wege. Spiralfedern und andere bewegliche Teile und Drähte faszinieren ihn. Hier beginnt die eigentliche Künstlerkarriere des Kinetikers, der an der „documenta III“ in Kassel teilnimmt, im gleichen Jahr 1964 in Ulm seine erste Einzelausstellung im dortigen Museum eröffnen darf und prompt so großes Interesse weckt, dass er auf der Stelle weg eine Einladung für eine Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York erhält. Die New Yorker sind so begeistert, dass sie Arbeiten von Günter Haese noch im gleichen Jahr ausstellen wollen. Damit wurde ihm der Ritterschlag im Bereich der Kunst verliehen. In diese Ausstellungshallen haben es bislang nur wenige deutsche Künstler mit einer Einzelshow gebracht. Entsprechend besuchen bis heute Persönlichkeiten aus der gesamten Welt den Künstler in seinem Düsseldorfer Atelier. Weitere bedeutende Stationen des bewegten Künstlerlebens von Günter Haese sind beispielhaft: Die Vertretung Deutschlands im Deutschen Pavillon auf der Expo 67 in Montreal; die X. Biennale von Sao Paulo, Brasilien; Germanisches Nationalmuseum Nürnberg; Kestner Gesellschaft in Hannover. Die Stadtväter und auch Bewohner Dürens dürften sich der künstlerischen Bedeutung der Mariensäule sicher nicht bewusst sein. Eine Hinweistafel auf dieses Kunstwerk und den Bildhauer ist mehr als empfehlenswert.

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