Standort: August-Klotz-Straße + 9 weitere Plätze im Dürener Stadtgebiet
erstellt: 1988 – 1990
Künstler: Ulrich Rückriem – Bildhauer / Konzeptkünstler
KULTUR-PARTNER:  

Rückriem-Stelen – ein Dezentrales Kunstwerk

Die Rückriem Stelen sind für Düren ein ganz besonderes Denkmal, welches sich dezentral über große Bereiche der Stadt erstreckt. Benannt sind sie nach dem international bekannten Künstler und Bildhauer Ulrich Rückriem, einem gebürtigen Dürener, der hier 10 wuchtige Steinstelen aus Granitblöcken in Mahnung an die Menschen verachtenden und unrechtsstaatlichen Geschehnisse geschaffen hat. Jedes Jahr zur Reichspogromnacht finden an allen zehn Skulpturen Mahnstunden statt.

Kultur-Partner Rückriem Stelen in Düren:

Steine des Anstoßes

Der nachfolgende Text ist inhaltlich weitest gehend identisch mit einem Text, der in einer kleinen Broschüre abgedruckt und seit 1991 bei der Stadtverwaltung Düren, wie auch im Leopold-Hoesch Museum kostenfrei erhältlich ist. Der international renommierte Künstler Ulrich Rückriem ist mit der Stadt Düren und der Rur-Region eng verbunden. Auf Beschluss durch den Dürener Stadtrat wurde der Künstler, dessen Material der Stein ist, im Jahr 1988 beauftragt, ein Erinnerungsmahnmal zu schaffen, welches an unterschiedlichen Orten an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft für immer erinnern und mahnen soll. So entstanden zehn Stelen aus Granitquadern. Sie weisen mit ihren Standorten auf begangenes Unrecht an diesen Stellen hin, wobei nicht jeder Stein historisch betrachtet den exakten Standort hat. Dies bleibt aber im wesentlichen für die Wirkung, die Mahnung, dass derartiges Unrecht in Deutschland nicht mehr geschehen darf, von untergeordneter Bedeutung. Die „Steine des Anstoßes“ wie sie auch genannt werden, hätten allerdings vor einigen Gebäuden namhafter Dürener Industrieller stehen müssen, deren Betriebe auch heute noch in Düren zahlreichen Menschen Arbeit geben. Hier ließ sich der Dürener Stadtrat auf Kompromisse ein und beschloss, dort keine Stelen aufzustellen, um an das begangene Unrecht dieser Familien in der Nazizeit hin zu weisen. Dies gilt auch für andere Plätze. So steht es wörtlich in der kleinen Broschüre zu den Rückriem Stelen: “Eine weitere Stele hätte man dem Kapitel „Dürener Schulen“ widmen können. Manch stolze Pressemeldung verkündete in der ersten Zeit des „Dritten Reiches“, „diese und jene Schule sei fest in der Hand der Hitler-Jugend, was mit der feierlichen Hissung der HJ-Flagge auf dem Schulgelände „belohnt“ wurde“. An historischen Anlässen für eine Reihe weiterer Stelen, das ist sicher, wäre kein Mangel.“

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10 Stelen in Düren

Die zehn Rückriem Stelen stehen so nun schon seit 1990 und bilden ein Gesamtkunstwerk, welches für sich alleine die Geschichte der Nazizeit in Düren eindrucksvoll dokumentiert. Ob hieraus die Vergangenheit tatsächlich aufgearbeitet wird, sei einmal als Frage in den Raum gestellt. Alleine die Tatsache, dass an den meisten Stelen seit nunmehr über 20 Jahren keine Hinweistafel angebracht ist, um was für einen Steinklotz es sich dort handelt, zeigt, dass es mit dem Umgang und der Aufarbeitung der Nazizeit noch ein langer Weg ist. Jedenfalls wissen viele Dürener gar nicht, was diese rohen grauen Riesen in ihrer Stadt bedeuten und warum sie dort stehen. Insbesondere Düren, als die am meisten im Krieg zerbombte Stadt in Deutschland, sollte hier ein großes Interesse haben. Denn Düren ist heute auch eine Multi-Kulti-Stadt mit all seinen daraus entstehenden Problemen, die aber Aufgaben sind, welche für die nachfolgenden Generationen gelöst werden sollten. Hier ist Handlungsbedarf angesagt. Rohe Granitsteine alleine vermitteln keine Information.

Quelle:
Broschüre von 1991 des Leopold Hoesch Museum und der Stadt Düren

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