Standort Mariastraße – Rathaus, Baesweiler
erstellt 1974 / 1981
Künstler Hubert Löneke – Bildhauer
Kultur-Partner

Vom Gelegenheitsjob zum Transportunternehmer

Ein „Schörjer“ ist ein Schubkarrenfahrer. Dieser alte Beruf ist das Vorgängermodell des heutigen Transportunternehmers, bzw. LKW-Fahrers. Das Transportwesen hatte noch keine Lastkraftwagen zur Verfügung. Natürlich gab es von Pferden gezogene Wagen. Aber für eine Vielzahl von Transporten war ein Pferdewagen einfach zu groß und damit auch zu teuer und in vielen damaligen engen Dorfstraßen auch nicht praktisch. Also wurden viele Dinge mit einem Rollkarren oder Schubkarren von den „Schörjern“ hin und her transportiert. Insbesondere die Reicheren ließen sich schwere Sachen nach Hause transportieren und gaben dafür wenige Pfennige. Aber auch alte Menschen mussten die Dienste eines „Schörjers“ manches mal in Anspruch nehmen, wenn sie selber schwere Lasten nicht bewegen konnten.

Menschen, die sich mit diesen Arbeiten, Dienstleistungen, ihr Geld verdienten, waren meistens Tagelöhner, die eine Vielzahl von Tätigkeiten ausübten. Sie trugen meist schmutzige, sehr zerrissene Kleidung  und wohnten eher in ärmlichen Verhältnissen und mussten mit dieser Arbeit täglich neu um ihre Existenz kämpfen. Siehe hierzu auch in Stolberg „Gedenkkreuz im Atscher Wald“ die Bezeichnung „Mittchen“.

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es diese Art des Transportes in Baesweiler.

Kulturpartner Schörjer Denkmal in Baesweiler:

 Rennverein„Schörjer“

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts veranstalteten einige Baesweiler ein jährlich stattfindendes Schörjerrennen, einen Wettlauf mit jede Art von Schubkarren. Dieses Rennen war irgendwann verschwunden. Zwei Weltkriege, eine Wirtschaftskrise. 1960 erinnerten sich einige Baesweiler Herren an diese Rennen, taten sich zusammen und gaben sich den Namen „Schörjer“. Und diese Karnevalsnarren veranstalteten nun zur jährlichen Narrenzeit ein Schörjerrennen mit selbst gebauten ausgefallenen Schubkarren und reichlichen Trinkpausen zum Vergnügen aller Zuschauer.

Die Kleidung, die in der abstrahierten Skulptur von Hubert Löneke wunderbar wiedergegeben ist, war lange Zeit ein beliebtes Kostüm bei vielen Karnevalisten, hatte aber mit den Schörjern nicht direkt was zu tun.  Karnevalisten trugen gerne ein Kostüm, dass oft aus alten Anzügen und Stoffbahnen bestand. Sie bestrichen diese Kleidung mit Rübenkraut und beklebten diese dann mit Vogel- und Hühnerfedern. Und manche versteckten ihr Gesicht noch hinter einer Art Vogelmaske!

Die Bronzeplastik des Bildhauers Löneke sorgte aber für viel Diskussionsstoff im Rathaus. Letztendlich verschwand die Skulptur sogar für Jahre irgendwo im Bauhof der Stadt. Erst 1981 wurde der Schörjer dann als Brunnenfigur vor dem damals neuen Rathaus aufgestellt. Inzwischen lieben die Baesweiler ihr Löneke- Kunstwerk. Leider gibt es heute diese „Schörjer-Rennen“ nicht mehr!

Wandern Sie hier von Denkmalplatz zu Denkmalplatz in Baesweiler

Der Bildhauer Löneke

Dieses Kunstwerk dürfte wohl die erste Skulptur des Bildhauers Hubert Löneke, lebte 27.06.1926 bis 28.04.2011, für Baesweiler gewesen sein.  Spätere Arbeiten in der ehemaligen Bergbaustadt Baesweiler sind die „Neue Brunnenanlage“, die er zusammen mit seiner Ehefrau, der Fotografin und Bildhauerin Krista Löneke-Kemmerling realisierte. Der „Wunderknabe“ in der Kirchstraße ist ebenfalls von ihm. Darüber hinaus hat der Künstler Hubert Löneke noch eine Vielzahl von Kunstwerken in der Region, insbesondere in Aachen geschaffen.

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