Standort Gülichplatz – Obermarspforten, Köln
erstellt 1913 / 1924
Künstler Georg Grasegger – Bildhauer
Kultur-Partner

Der Fastnachtsbrunnen auf einem historischen Platz

Köln hat tatsächlich einen „Fastnachtsbrunnen“, obwohl hier in Köln das Zentrum des Karnevals beheimatet ist. Das ist aber nur ein Wiederspruch an diesem historischen Gülichplatz. Mit Heiterkeit erlangte dieser Ort seinen Namen nämlich nicht. Bis zur Besetzung Kölns durch die Franzosen zu Beginn des 19. Jahrhunderts stand dort, wo heute der Fastnachtsbrunnen steht eine Schandsäule mit der Kopfskulptur des Nikolaus Gülich.

Kultur-Partner „Fastnachtsbrunnen in Köln“

Nikolaus Gülich – Freiheitskämpfer

Der Kaufmann Nikolaus Gülich fühlte sich, wie viele andere Kölner Geschäftsleute, von den Regierenden beanchteiligt. Vor allem prangerten sie deren Vetternwirtschaft in Köln an! Nikolaus Gülich setzte sich an die Spitze einer Protestbewegung in Köln und wurde schließlich sogar in ein städtisches Amt mit größeren Befugnissen gesetzt. Allerdings wurde diese „Revolution“ vom deutschen Kaiser nicht akzeptiert. Die Stadt Köln wurde vom Kaiser unter Druck gesetzt, so dass Nikolaus Gülich abgesetzt und inhaftiert wurde. Zusammen mit anderen Kaufleuten wurde Nikolaus Gülich schließlich zum Tode verurteilt und enthauptet.

Die Schandsäule in Köln

Nach der Enthauptung Gülichs wurde das Wohn-Geschäftshaus der Familie Nikolaus Gülich abgerissen. Es stand genau dort, wo jetzt der Fastnachtsbrunnen steht. Schon wenige Monate nach der Enthauptung und des Gebäudeabrisses wurde auf der freigewordenen Fläche eine Säule errichtet, die einen in Bronze gegossenen Kopf trug. Der Kopf war mit einem Schwert durchbohrt und hatte das Aussehen von Nikolaus Gülich. Diese Schandsäule sollte eine Abschreckung für alle sein, die sich in irgendeiner Form aufrührerisch gegen die Regierenden stellen sollten.

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Georg Grasegger und der Fastnachtsbrunnen

Der Bildhauer Georg Grasegger wurde 1873 in Bayern geboren. Da der Bildhauer nach seinem Studium zunächst an der Kölner Kunstgewerbeschule und schließlich bis zu seinem frühen Tod als Professor für Bildhauerei an den Kölner Werkschulen lehrte, befinden sich seine Arbeiten vorwiegend in und um Köln. So erhielt er auch den Auftrag, auf dem seit über 100 Jahren leeren Gülichplatz, einen Brunnen zu erstellen. 1913 wurde der Fastnachtsbrunnen aufgestellt und zeigt vier tanzende Paare, ausserhalb des Brunnenbeckens angebracht. In der Mitte sitzt eine Putte auf einer ca. 2,5 Meter hohen Metallsäule. Der Aussenrand des Bronzebeckens ist versehen mit nachfolgendem Zitat:

Löblich ist ein tolles Streben, wenn es kurz ist und mit Sinn. Heiterkeit zum Erdensleben sei dem flücht’ gen Rausch Gewinn. 1825 von Johann Wolfgang von Goethe

Laut einer am Brunnen angebrachten Infotafel scheint der Künstler Georg Grasegger im Jahre 1924 nochmals an dem Brunnen gearbeitet zu haben. Der Bildhauer starb drei jahre später. Da Grasegger aus dem Süddeutschen gebürtig war, könnte er diesen Brunnen „Fastnachtsbrunnen“ genannt haben. Die Kölner haben diese Bezeichnung sicher mit Humor gesehen und ihm zu Ehren so belassen. In unmittelbarer Nähe feiern die Kölner jedes Jahr ausgiebig den Kölner Karneval im Gürzenich.

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