Standort: Minoritenstraße, Köln
erstellt: 1992
Künstler: Werner Stötzer – Bildhauer
Kulturpartner:

Vom Jesuitenpater zum Berater des Kaisers

Die grob behauene Skulptur in der Minotitenstraße stellt den Jesuitenpater Johann Adam Schall von Bell dar. Obwohl Schall von Bell den Kölnern heute weniger bekannt ist, als ihr Kardinal Frings, so kann man ihn und sein Wirken innerhalb der christlichen Gemeinschaft und für die Verständigung zwischen China und Europa, insbesondere Deutschland, nicht hoch genug bewerten. Johann Adam Schall von Bell, geboren 1592, gestorben 1666 in Bejing (Peking) steht noch heute in Persona für die Förderung der Chinesisch – Deutschen – Beziehungen!

Ob Schall von Bells Geburtsort Köln gewesen ist, das ist strittig. Es könnte auch Lüftelberg, dem heutigen Meckenheim gewesen sein. Jedenfalls ging er in Köln auf eine von Jesuiten geführte Schule. Diese Jahre waren für den jungen Johann Adam prägend.

Als Jesuitenpater beginnt Schall von Bell schließlich um 1617 sein Abenteuer China. Erst 1623 kommt der Jesuitenpater in Peking zur Zeit der Ming-Dynastie an und wird dort ab 1644 unter dem Namen T’ang Jo-wang (andere Schreibweisen möglich) zu einem einflussreichen Berater des Kaiserhauses. Kein Europäer vor ihm und bis heute nicht nach ihm, hatte einen derartigen Einfluss und Position innerhalb des großen chinesischen Kaiserreiches.

Kultur-Partner „Johann Adam Schall von Bell in Köln“

1. Mandarin am Kaiserhof und Todesurteil

Der Jesuit Johann Adam Schall von Bell war sehr ehrgeizig. Er erlernte schnell die chinesische Sprache. Auf Grund seines Studiums in Mathematik, Physik und Astronomie wird Schall von Bell in das kaiserliche Kalenderamt berufen. Er beschäftigt sich mit den Aufzeichnungen Galileos und reformiert schließlich den chinesischen Kalender. Aufzeichnungen über den Sternenhimmel, Sonne und Mond folgen. Sein Ansehen steigt, als die Quingh (Chingh)-Dynastie unter Kaiser Shun-zhih das Reich führt. Schall von Bell wird zunächst zum Mandarin 5. Klasse ernannt und erhält damit das Amt des Chefastronomen. In dieser Zeit beendet er die Arbeit an dem neuen chinesischen Kalender, der bis zum Beginn des 20-sten Jahrhunderts Gültigkeit hatte.

Für den Kaiser Shun-zhih wird Schall von Bell mehr als nur ein guter Astronom. Er holt ihn als Dolmetscher und zuverlässigen Berater und ernennt ihn schließlich um 1658 zum Mandarin 1. Klasse, die höchste Position am Kaiserhof. Doch 3 Jahre nach der Ernennung, um 1661 stirbt der Kaiser und hinterlässt einen minderjährigen Sohn, der nun das Reich führen soll. Als 1. Mandarin und Freund des jungen Kaisers steht Schall von Bell diesem zur Seite. Dieser große Einfluss stößt auf Widerstand und Missgunst, so dass Schall von Bell durch Intrigen wegen Hochverrats 1664 zum Tode verurteilt wird.

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Rehabilitation und Verehrung

Der Vollzug der Todesstrafe wurde nicht ausgeführt. Die Angaben sind widersprüchlich. So soll es eine Wiederaufnahme des Verfahrens gegeben haben, mit einem Freispruch. Andere Quellen sprechen von einem Erdbeben nach dem Urteil und Bränden im Palast. Man deutete dies als Warnung des Himmels gegen dieses Urteil.

Doch Schall von Bell war zu diesem Zeitpunkt schon sehr erkrankt und starb schließlich am 15. August 1666 in Bejing. 1669 wurde der Gelehrte durch den Kaiser in allen Punkten rehabilitiert. Auf dem Grabstein Bells in Bejing steht in Anerkennung seiner Verdienste und Fähigkeiten „Die Geheimnisse des Himmels ergründender Lehrer“.

Marmor-Denkmal zu Ehren des Jesuiten und Astrologen

Die Stiftung Deutsch-Chinesische Gesellschaft e.V. hat das Kunstwerk veranlasst. Der Bildhauer Werner Stötzer, lebte 1931 bis 2010, hat diese Marmoskulptur geschaffen. Für seine Plastiken wurde Werner Stötzer mehrfach mit Ehrungen versehen, so u.a. mit dem Käthe Kollwitz Preis. Seine feinen Andeutungen, rauhen Linien in dem weißen Marmor bringen erst die ganze Kraft zum Vorschein, die besonders aus dieser Skulptur des Schall von Bell hervorgeht. Sein Kunstwerk zeigt einen Mann in dem langen Gewand eines Gelehrten. In China, wie auch in Taiwan ist der Name Schall von Bells, T’ang Jo-wang,  unvergessen!

Links:   www.schall-von-bell.de   www.adamschall.de
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