Standort Holzgraben   /   Aachen
erstellt 1970
Künstler Hubert Löneke – Bildhauer
Kultur-Partner  

Klenkes – ein kleiner Finger lässt grüßen

Den „Klenkes“ zeigen, das ist ein Gruß der Menschen aus der Aachener Region. Wenn sich Aachener im Ausland begegnen, benutzen sie dieses Erkennungszeichen als besonderen Gruß. Der „Klenkes“, ist der kleine Finger der Hand. Leider stirbt dieses Erkennungsritual mit zunehmender Globalisierung und Zuzug Auswärtiger Bewohner immer mehr aus.

Der Künstler und Bildhauer Hubert Löneke, 27. Juni 1926 – 28. April 2011,  hat sich dieses historisch gewachsenen Erkennungsmerkmales der Aachener angenommen und das „Klenkes-Denkmal“ in Bronze gegossen. Die Plastik steht am Holzgraben zwischen den Fußgängerzonen der Adalbertstraße und dem Dahmengraben. Zwei Männer und eine Frau heben zum Gruß ihre Hände nach oben und, mit Ausnahme des „Klenkes“ (kleinen Fingers), sind die übrigen Finger eingerollt.
Dieses sonderbare Verhalten der Aachener gab es schon hunderte Jahre vor dem berühmten Kinoheld „E. T“. Dieser zeigte allerdings nicht mit dem kleinen, sondern mit dem Zeigefinger immer nach oben.

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Was haben Nadeln mit dem Klenkes zu tun?

Woher kommt dieser ungewöhnliche Gruß? Er ist ein Relikt der hier ansässigen Nadelindustrie. Die aus Draht gezogenen Nadeln wurden von Hand sortiert und kontrolliert. Die schlechten Nadeln mussten manuell aussortiert, sprich „ausgeklinkt“ werden. Im Aachener Dialekt heißt dies „uusjeklenkt“. Dieses „uusklenke“ geschah dann mit dem kleinen Finger. Kinderarbeit, und das zum Teil ab dem 4. Lebensjahr, war zu dieser Zeit der Industrialisierung in Deutschland fast die Regel. Den ganzen Tag saßen die Kinder dort und machten nichts anderes, als 10 Stunden und mehr die guten Nadeln von den schlechten zu trennen, und sie dann auch noch mit gleicher Fingertechnik in die unterschiedlichen Größen zu sortieren. So entstand ein seltsam gewachsener, abgespreizter kleiner Finger, an dem man die Nadelarbeiter erkennen konnte. Stolz war man damals nicht darauf.
Sich auf diese Weise zu grüßen, das entstand erst im 20. Jh. mit der Motorisierung und dem Beginn des Reisetourismus. Aachener freuten sich einfach, in der Fremde jemand aus der Heimat zu begegnen. Man begrüßte sich gegenseitig, indem man als Erkennungszeichen den „Klenkes“ zeigte.

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Die Aachener Nadeln waren Weltmarktführer

Hier einige Zahlen zur Nadelindustrie in der Aachener Region aus einem Katalog der Fa. Rheinnadel: 1513 erstmalige besondere Erwähnung der Nadelmacher; 1584 erhalten die Nadelmacher in Aachen eine eigene Zunftrolle; 1626 werden Handelsmarken, ca. 46, für die Nadeln eingeführt; Quirin Chorus und sein Sohn gelten Mitte des 17. JH als größte Nadelproduzenten der Welt; weitere bedeutende Nadelmacher sind Goddart Pastor in Burtscheid und ab 1730 die Fabrik Beissel; 1801 Bau der Nadelfabrik Jeker für ca. 250 Arbeiter, davon ca. 225 Kinder ab 4 bis ca. 12 Jahren ! und einer Produktion bis über 1 Million Nadeln im Jahr; ab 1807 erreicht die Industrie einen Höhepunkt mit 17 Fabriken und ca. 7.500 Arbeitern in der Aachener Region.
Hubert Löneke lebte mit seiner Frau in Aachen und schuf ein Vielzahl von Skulpturen, wie den Türelüre-Lißje-Brunnen und das Printenmädchen für den öffentlichen Raum. Studium der Bildhauerei u.a. bei Ewald Mataré.

Quellen:
Margot Gasper: Kleiner Fingerzeig mit großer Geschichte, Aachener Nachrichten vom 19.07.2008
Clemens Bruckner: Zur Wirtschaftsgeschichte des Regierungsbezirks Aachen, Köln 1967 Aachener Geschichtsverein e.V.

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