Standort Neustraße – Nieuwstraat, Herzogenrath / Kerkrade
erstellt 1968 / 1995 (Mauerdenkmal); 1970 d´r Knup (Brüderlichkeitsdenkmal)
Künstler Shinkichi Tajiri – Bildhauer
Kultur-Partner

Die Landesgrenze Deutschland – Niederlande

Die deutsche Stadt Herzogenrath und die niederländische Stadt Kerkrade haben eine Jahrtausende alte gemeinsame Geschichte. Die Burg Herzogenrath und das Kloster Rolduc liegen nur wenige hunderte Meter von einander entfernt. In diesem Klosterarchiv befinden sich die „anales rodenses“ in denen die ersten Erwähnungen einer Ansiedlung, des castrum Rodenses“ im Jahre 1104 zu finden sind. Seit dieser Zeit lebten die Menschen beiderseits des Flüsschens Wurm in einer Gemeinschaft mit wechselnden Herrschern aus ganz Europa. Erst waren es die Limburger Herzöge, dann die Brabanter, anschließend die Burgunder, es folgten die Jülicher und die Habsburger. Die Franzosen blieben nicht lange.

Kulturpartner Mäuerchen in Herzogenrath:

Herzogenrath – die erste deutsche geteilte Stadt

Eine Grenze wurde im Jahre 1814/15 als Folge des spanischen Erbfolgekrieges durch Herzogenrath gezogen. Beim Wiener Kongress wurde das heutige Herzogenrath dem preußischen Königreich zugeschlagen. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. und der niederländische König Wilhelm I. einigten sich auf den Grenzverlauf mitten durch eine bis dahin zusammengehörige Stadt. Lange vor Berlin ist Herzogenrath damit die erste geteilte deutsche Stadt. Die Grenzstraße „Neustrasse – Nieuwstraat“ trennt seither Herzogenrath und Kerkrade auf etwa 2 Kilometer. In der Talsenke ist das Flüsschen Wurm der Grenzfluss beider Länder. Die Grenze blieb jedoch weitgehend unbefestigt. Erst nach Ausbruch des „Ersten Weltkrieges“ wurde 1915 auf Anordnung von Kaiser Wilhelm ein Grenzzaun errichtet.

Herzogenrath als Vorreiter europäischer Vereinigung

Schon im Jahre 1968 wurde der unschöne Zaun, der die Menschen 53 Jahre getrennt hatte, entfernt und durch eine etwa 40 cm hohe Betonmauer ersetzt. Jetzt konnten sich hier Niederländer und Deutsche unmittelbar begegnen. Anwohner auf beiden Seiten der Straße durften sogar mit einem gesonderten „Passierschein“ die Mauer, und damit die deutsch-niederländische Grenze an mehreren gänzlich offenen Stellen passieren, ohne den Weg zu einem der beiden Zoll- und Grenzposten zu machen. Eine unerlaubte Grenzüberschreitung anderer Personen wurde mit einem Bußgeld geahndet. Aber natürlich nutzten viele den nun leicht gewordenen Grenzübertritt. Schmuggeln niederländischer Waren lohnte sich in der Zeit des Wirtschaftsaufschwunges kaum noch. Jedoch waren niederländischer Kaffee, Butter und Zigaretten noch längere Zeit günstige und begehrte Waren bei den Bewohnern auf Herzogenrather Seite. Mütter gingen mit ihren Kindern in grenznahe Tante-Emma-Läden und packten ihren Sprösslingen Tabak und Kaffee gleich Kiloweise in die Hosen- und Jackentaschen. Die Grenzkontrollen wurden immer gemäßigter. An diesem deutsch-niederländischen Grenzabschnitt in Herzogenrath fand Europa lange vor dem allgemeinen Wegfall der EU-Ländergrenzen statt.

Denkmal „d´r Knup“

Die Bürger beider Städte haben sich immer verstanden, sprachen sie doch den gleichen Dialekt. Als Zeichen der Verbundenheit wurde nach der Entfernung des Zaunes und des Umbaues der Neustraße – Nieuwstraat die „Skulptur der Brüderlichkeit“ auf der Grenze aufgestellt. Der Knoten soll die Zusammengehörigkeit symbolisieren. Der Bildhauer Shinkichi Tajiri, japanischstämmiger Amerikaner, geb 07.12.1923 bis 14.03.2009, der in der Nähe von Venlo sein Atelier hatte, schuf das Kunstwerk. Das Einweihungsdatum 24. März 1970 steht auf dem Sockel der Skulptur, dazu noch in deutscher Sprache „Alle Menschen werden Brüder“. Shinkichi Tajiri hatte u.a. bei Fernand Léger im Bereich Malerei gearbeitet und an der COBRA-Ausstellung 1949 im Stedelijk Museum in Amsterdam, sowie an der documenta II, III und IV in Kassel teilgenommen. Ein weiterer „knup“ oder „de Knoop“, wie die Niederländer sagen, steht in Rotterdam.

Wandern Sie hier von Denkmalplatz zu Denkmalplatz in Herzogenrath

RAF-Terror an der offenen GrenzeLeider gab es auch ein tragisches Ereignis an dieser Herzogenrather Grenze. Während der Zeit des RAF-Terrors in Deutschland wurden 1978 an diesem offenen Grenzabschnitt zwei niederländische Zollbeamte von deutschen Terroristen erschossen und zwei weitere verletzt. Eine Gedenktafel in Erinnerung an die Erschossenen wurde in den Boden eingelassen.

Das Mäuerschen

Seit 1995 gibt es auch die kleine Betonmauer nicht mehr auf der Neustraße – Nieuwstraat. Nun fährt man in der einen Richtung auf der niederländischen Seite und in die andere Richtung auf deutschem Gebiet. Alle Beschilderungen hier sind zweisprachig. Kerkrade und Herzogenrath waren auch mit der Gründung der ersten „Europastadt“ unter dem Namen „EURODE“ wieder Vorreiter für eine europäische Vereinigung. Ein EURODE-Park verbindet beide Städte und ein EURODE-Business-Center, die Grenze verläuft hier mitten durch das Geschäftsgebäude, steht unmittelbar am Beginn der ehemaligen Grenzstraße und bietet deutschen wie niederländischen Firmen einen idealen Wirtschaftsstandort.

Ein kurzes Stück des „Mäuerschen“, wie die Herzogenrather liebevoll ihre Grenzbefestigung immer genannt haben, blieb auf dem exakten Grenzverlauf erhalten. Dieses „Mäuerchen“ symbolisiert ein kleines, aber bedeutsames Stück europäischer Geschichte, die hier in Herzogenrath seit über 900 Jahren immer wieder geschrieben wird.

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