Standort Stolberg – Frankentalstraße / Kulturzentrum Frankental
erstellt 31. August 2012
Künstler: Bonifatius Stirnberg – Bildhauer
Kultur-Partner Europäischer Kunsthof

Denkmal für Conterganopfer

In der Kupferstadt Stolberg wurde am 01. September 2012 eine recht umstrittene Skulptur zur Erinnerung und Mahnung an die Contergan-Opfer der Öffentlichkeit präsentiert. Die Stadt Stolberg, darauf wies der Bürgermeister Ferdi Gatzweiler bei seiner Ansprache ausdrücklich hin, ist nicht verantwortlich für diese Medikamententragödie, aber sie hat eben in Stolberg ihren Ursprung. Das Pharmaunternehmen Grünenthal mit Sitz in Stolberg und Aachen hat das Medikament Contergan in den 50er Jahren entwickelt und 1957 als Schlafmittel weltweit auf den Markt gebracht. 1961 musste der Vertrieb dieses Medikamentes schließlich gestoppt werden.  Zu spät für etwa 10.000 Neugeborene, die mit eklatanten Fehlbildungen, wie fehlenden  Ober und Unterarmen, zur Welt gekommen waren. Die Babys von Frauen, die dieses Medikament während der Schwangerschaft eingenommen hatten, waren davon betroffen.

Kulturpartner Bareschesser in Stolberg:

Größter Medikamentskandal in Deutschland

Contergan – die Hälfte aller Opfer, ca. 5.000 Menschen, dieses größten deutschen Medikamentenskandals, lebten und leben in Deutschland. Viele von ihnen sind mittlerweile verstorben. Und mit zunehmendem Alter der Betroffenen wird ein Leben in der Gemeinschaft immer schwieriger. Immer wieder gab es in der Vergangenheit Proteste und Aktionen der Contergangeschädigten, um mehr Anerkennung und Beachtung, insbesondere um eine Erklärung des Pharmariesens Grünenthal. Zwar gab es für die Eltern und Behinderten einen Hilfsfond, aber es fehlte vor allem bis zu diesem 1. September 2012 eine offizielle Stellungnahme und Entschuldigung an die Betroffenen. Über 50 Jahre hatte es gedauert, bis sich nun der aktuelle Grünenthal – Geschäftsführer vor diese Menschen gestellt hat, und sich im Namen des Unternehmens entschuldigte. Dies hätten längst andere vor ihm machen müssen, insbesondere die Hauptanteilseigner und Gründer des Unternehmens, deren Familien mit diesen und anderen Medikamenten reich geworden sind. Der jetzige Geschäftsführer Dr. Harald F. Stock ist für seinen Mut, sich den Menschen persönlich zu stellen, ihnen in die Augen zu sehen und sich anschließend mit einer Ansprache zu Entschuldigen, einen wichtigen Schritt gegangen, denn er war ja nicht persönlich verantwortlich und wurde erst 1968 geboren, da waren die weltweit fast 10.000 auf Grund des Medikamentes Contergan behinderten Kinder schon zwischen 6 und 10 Jahre alt.

Skulptur von 1972 – 73 für die Opfer des Contergan erweitert

Die Initiative zu diesem Denkmal ging von dem selbst betroffenen Johannes Igel aus. Dieser hatte von einer Frau, deren Kind ebenfalls Contergangeschädigt ist erfahren, dass der Aachener Skulpturenkünstler Bonifatius Stirnberg eine zweiteilige Plastik entworfen hatte, die sich hervorragend als mahnendes Denkmal eignen würde. Das nun aufgestellte Denkmal ist Seitens des Künstlers schon in den Jahren 1972 – 73 gestaltet worden für eine befreundete Familie Stirnbergs, deren Kind behindert war. Nun wurde für die Contergangeschädigten eine, um ein drittes Element erweiterte Plastik gefertigt. Auf dem linken Stuhl sitzt ein Mädchen ohne Arme und verkürzte Beine. Auf dem rechten Stuhl  sitzt niemand, aber man erkennt den Abdruck des Mädchens in den Kissen dieses Stuhles. Eine bleibende Erinnerung an den Menschen, der gehen musste. Verbunden sind die Stühle nun mit einer Verbindungsbox, in welche zur Einweihung des Denkmales Betroffene und Angehörige eine Nachricht mit ihren ganz persönlichen Gedanken hineinlegen konnten. Diese Erweiterung der Skulptur war Bonifatius Stirnberg sehr wichtig. Er hat bewusst auf diese Weise die Menschen zu einem Teil des Kunstwerkes gemacht, zu „Mit-Schöpfern“ wie er es selbst in einer Pressemitteilung geschrieben hat. Anschließend wurde die Box für immer verschweißt.

Wandern Sie hier von Denkmalplatz zu Denkmalplatz – Stolberg

Ist ein Treppenpodest ein Denkmalplatz?

Ob dieser Ort, dieser Platz auf einem Treppenpodest innerhalb des Kulturzentrums Frankental ein würdiger und auch auf Dauer geeigneter Denkmalplatz für die Opfer des Contergan  ist, das wird sicher die Zeit zeigen. Auch wenn zahlreiche Besucher die dort beheimatete Volkshochschule besuchen, so bleibt dieses mahnende und erinnernde Denkmal doch dem breiten Publikum und vor allem den auswärtigen Besuchern Stolbergs verborgen. Da das Kunstwerk auch nur eine geringe Höhe hat, das in Bronze gegossenen Mädchen ist mit Stuhl gerade mal ca. 60 cm groß, ist die gesamte Gruppe auch schnell zu übersehen. Es wäre wünschenswert, in naher Zukunft einen geeigneteren Platz zu finden und „Contergan“ als geschichtliches Ereignis innerhalb der Stadt Stolberg zu sehen und entsprechend zu würdigen..

Der Bildhauer Bonifatius Stirnberg, 1933 geboren, studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Joseph Beuys, ist in der Region Aachen, wie Würselen, Alsdorf, Stolberg, aber auch in Köln kein Unbekannter. Berühmt ist er vor allem für seine beweglichen Brunnenfiguren. In Stolberg steht eine derartige Skulpturengruppe, der Galminusbrunnen, vor der ehemaligen Ketschenburg Brauerei.

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