Wen erschlug der „Wehrhafte Schmied“ von Aachen?

Der „Wehrhafte Schmied“ von Aachen, ein Volksheld

Der Aachener Verschönerungsverein gab 1907 den Anstoß den Bürgern ein Denkmal zu schenken, dass den Stolz der Aachener wiederspegeln sollte. Der „Wehrhafte Schmied“ von Aachen sollte in der Jakobstrasse aufgestellt werden. Der Bildhauer und Kunstprofessor Carl Burger, 26.11.1875  bis  20.02.1950,  ab 1904 bis ca. 1921 an der Kunstgewerbeschule Aachen tätig, erhielt für seinen Entwurf den Zuschlag. Entstanden ist die auch heute noch in der Jakobstrasse, wenige Meter von der Klappergasse entfernt, aufgestellte Skulptur eines vor Kraft und Stolz strotzenden Schmiedes. Der Standort ist historisch, befand man sich doch im 13. Jahrhundert hier unmittelbar am Stadttor, durch welches Wilhelm der 7. Graf von Jülich mit seinen Söhnen und Gefolgsleuten sich zurückziehen wollte. Allein der „Wehrhafte Schmied“, der Volksheld der Aachener, verhinderte dies, indem er den Grafen, seine Söhne und einige mehr mit dem Schmiedehammer erschlug. Dieses Ereignis war für das Selbstbewusstsein der Aachener und ihrer damit sehr deutlich gemachten Eigenständigkeit von nachhaltiger Bedeutung.
Blättern wir einmal zurück in das Jahr 1277 (andere Literatur spricht von 1278).

Nächtlicher Überfall auf Aachen

Es war am späten Abend des 16. März 1277. Unbemerkt von den Bewohnern Aachens war eine Schar von gut ausgerüsteten Reitern, Ritter mit Schwertern und Lanzen, im Gefolge des Grafen Wilhelm von Jülich und seinen beiden Söhnen Wilhelm und Roland (andernorts wird von 3 Söhnen geschrieben) in die Freie Reichsstadt Aacheneingedrungen. Ein Verräter muss ihnen ein Stadttor geöffnet haben. Zweck dieses Überraschungsbesuches war die Eintreibung von angeblich fälligen Steuern. (andere Quellen sprechen von Habgier des Grafen) Ca. 500 berittene Streiter drangen so durch das geöffnete Stadttor ziemlich schnell in die heutige Aachener Altstadt ein und zwängten sich durch die engen Gassen.

Dieses Bild mit 500 Pferden kann man sich ja einmal vorstellen, wenn man heute gemütlich durch die Gässchen Aachens spaziert.

 

Künstler:   Carl Burger – Bildhauer + Steinmetz

Standort:  Jakobstraße Ecke Klappergasse / Aachen

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Die „Goldene Kette“

Die Aachener Bürger, geweckt durch das laute Pferdegestampfe waren schnell auf ihren Beinen. Nur eines stand ebenso schnell fest. Steuern bezahlen und sich vor allem mit Gewalt zwingen lassen, das wollten die Aachener nicht. So kam es dann zu heftigen Auseinandersetzungen. Gegen die Bewaffnung und die Pferde hatten die Bürger zunächst keine Chance. So flüchteten viele in ihre Häuser und auf die Dächer, von wo aus sie die Eindringlinge mit allem bewarfen, was sich zum werfen eignete. Die Reiter hatten in ihrer Ritterkleidung zu Pferde Mühe, ihre Vierbeiner stillzuhalten. Es war ein einziges Getümmel. Zur Abwehr berittener Feinde war man allerdings gerüstet, indem geschmiedete lange, schwere Ketten über die Wege gespannt wurden. Die bekannte Traditionsgaststätte „Goldene Kette“, unweit des Geschehens soll danach benannt worden sein. Durch diese in den Seitengassen gespannten Schmiedeeisernen Barrieren konnten die Pferde nicht weiter.

Die Getrudisnacht

Auf diese Weise dirigierten die Aachener nun den Grafen von Jülich samt seiner Gefolgschaft hinauf bis zur Jakobstraße. Dort gab es nur den schmalen Rückzugsweg durch das Stadttor. Fest steht, dass genau hier der Graf mit seinen Söhnen und einige weitere Begleiter vor Verlassen der Stadt in den Morgenstunden des 17. März, dem Namenstag der Heiligen Gertrud, erschlagen worden sind. Warum dies geschah, war der Angreifer doch schon besiegt und vor allem, wer diese Tat begangen hat, das ist bis heute nicht wirklich geklärt. Diese Nacht, die als Gertrudisnacht in die Aachener Geschichte einging, hatte ein Nachspiel. Es gab eine Untersuchung durch die regierenden Adelshäuser. Hatten die Stadtväter hier die Wahrheit gesagt, dass sie alle an der Tat beteiligt waren oder haben sie jemanden vorgeschoben, an den sich so schnell niemand heran wagte? – Ein starker wehrhafter Schmied, der in der Nähe seine Schmied hatte? (in der Literatur wird aber auch von den Metzgern als Täter gesprochen). Oder war tatsächlich ein wehrhafter Schmied in seiner Wut mit seinem Schmiedehammer dem Grafen entgegen getreten?

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Die Verurteilung Aachens

Diese Geschichte hatte jedenfalls Erfolg. Die Bewohner kamen ungeschoren davon und die Stadt musste lediglich eine Entschädigung, wenn auch eine große Menge Silbertaler, an die Grafenwitwe Richarda und die Witwen der anderen Ritter bezahlen, so wie an der Stelle der Tat ein Sühne-Denkmal errichten. Die Stadtväter ließen ein kostengünstiges Monument aus schlechtem Sandstein errichten. Aber es dauerte dennoch fast 400 Jahre, bis es begann zu zerfallen. Um 1800 wurden die letzten Reste von der Jakobstrasse entfernt.

Denkmalplatz seit 1909

Ein namentlich unbekannter wehrhafter Schmied bekam über 100 Jahre später sein verdientes Denkmal, das am 27. Juli 1909 auf der Jakobstraße feierlich eingeweiht wurde und den ganzen Stolz der streitbaren Aachener repräsentiert.
Kaum 10 Jahre später mussten die Aachener erneut kämpfen. Sie konnten sich erfolgreich gegen die Beschlagnahme ihres Helden, noch eine Folge des verlorenen 1. Weltkrieges, zur Wehr setzen. Diesmal ohne Waffengewalt. Auch den 2. Weltkrieg überstand Aachens wehrhafter Schmied, wurde nicht Opfer der „Metallspende“, wie viele andere Brunnenfiguren in Aachen.

Versteckt in einer Waggonfabrik

Der Wehrhafte Schmied von Aachen war von unbekannten demontiert und versteckt worden und nach dem Krieg wurde die Skulptur in der Jülicher Strasse auf dem Gerlände der Waggonfabrik Talbot wiedergefunden. Von dort kam der Schmied vorübergehend ins Suermondt Museum. Vorhandene Beschädigungen an der Figur wurden behoben, bevor sie am 7. Mai 1947 wieder am alten Platz aufgestellt wurde. 1962 wurde die Skulptur Wehrhafter Schmied auf einen höheren Sockel mit seitlichen Brunnenausläufen gehoben und dabei etwas näher an das Kind-Jesu-Kloster versetzt. Mit Ausnahme des 18. Dezember 1976, Vandalen hatten die Skulptur vom Sockel herunter gestürzt, und einer kurzen Reparaturzeit, steht der „Wehrhafte Schmied“ von Aachen stolz und erhaben an seinem Platz in der Jakobstraße.

Der Wehrhafte Schmied von Aachen trauert um seinen Sohn

In einem Gedicht zur Einweihung des Denkmal – Wehrhafter Schmied – heißt es, dass der Schmied in dieser Nacht seinen Sohn verloren hatte und aus Trauer und schmerzhafter Wut sich den wegreitenden in den Weg stellte und erst die Söhne des Grafen und dann den Grafen selbst mit seinem eisernen Hammer erschlagen hatte. Der „Wehrhafte Schmied“, ein Held, geboren aus der Trauer und Wut über den Verlust seines Kindes.

Quellenangaben
Peter Hermann Loosen: Aus dem alten Aachen. Historische Skizzen oder Aachener Geschichte in Geschichten. 3. erweiterte Auflage. Aquensia-Klette-Verlag, Aachen 1978
Thomas R. Kraus: Jülich, Aachen und das Reich. Studien zur Entstehung der Landesherrschaft der Grafen von Jülich bis zum Jahre 1328. Hg. Stadtarchiv Aachen, 1987
Sturz des Denkmals Wehrhafter Schmied: Chronik der Stadt Aachen 1976. Stadt Aachen Stadtbibliothek Aachen: (Sonderbestände: „Der Schmed van Oche“, R. Brauer, „Echo der Gegenwart“) 

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